Reiseziel Nr. 7: Ungarns Hauptstadt Budapest – gediegen, authentisch, dynamisch

Von Wien aus ging es mit dem Auto 254 km weiter nach Budapest, die Hauptstadt Ungarns. Ungarn grenzt an Österreich, die Slowakei, die Ukraine, Rumänien, Serbien, Kroatien und Slowenien. Seit 1918 ist Ungarn ein eigenständiger Staat und seit 2004 Mitglied der Europäischen Union. Auf 93.000 km² leben gut 10 Millionen Menschen.

Vor 37 Jahren erlebte ich hier einen unvergesslichen Reiter-Urlaub. Drei Tage durfte ich auf dem Rücken eines schönen Arabers durch die Puszta reiten, abends am Lagerfeuer herzhaftes Kessel-Gulyasch essen und bei gastfreundlichen Bauern am Hof übernachten. Natürlich habe ich mich auch auf diese Reise gut vorbereitet und auch die Schlagzeilen in der Presse aufmerksam verfolgt. Ich weiß, dass ich in ein Land reise, dass seit es 2004 der EU beitrat, einen bemerkenswerten  Strukturwandel begonnen hat, der nun durch eine wankelmütige Regierung, kreative Abgabenpolitik und einer rigiden Medienpolitik ins Schlittern geraten ist. Vollgepackt mit meinen schönen Jugenderinnerungen und Informationen aus den Medien, von denen ich nicht weiß wie wirklich sie sind, komme ich in Budapest an.

Budapest- das ist Wasser, prachtvolle Gebäude und viel Grün,
die Vajdahunyad-Burg im Stadtwäldchen

Eine erste angenehme Überraschung ist unser kleines 3,5 Sterne-Hotel Bo18 Hotel Superior. Selten so ein  freundliches, unkompliziertes Willkommen erlebt. Keine lästigen Formulare ausfüllen und keine Kreditkarte hinterlegen. „Nein danke, Sie bezahlen bei  der Abreise.“, meinte die nette junge Dame an der Reception. Genau so angenehm überraschte mich das Zimmer. Frisch, modern, geräumig, selbstverständlich mit WLAN und Parkplatz, für nur 58 Euro pro Nacht/Doppelzimmer, und das mitten im Zentrum.

Gut gestärkt mit einem leckeren Frühstück beginne ich am nächsten Morgen meine Entdeckungsreise.
Knapp 1,7 Millionen Menschen leben in der ungarischen Metropole,  die aus drei selbstständigen Städten besteht, welche 1873 zu der Gemeinde Budapest vereint wurden.  Auf der östlichen Seite der Donau liegt der flache, größere Stadtteil Pest mit seinem bunten Stadtleben und Parks, westlich das bergige Buda und Obuda, was  in Deutsch Ofen und Altofen bedeutet, mit schönen Wäldchen, Wohngebieten und dem berühmten Burgviertel.

Heute ist die Stadt in 23. Bezirke eingeteilt und wird gerne als “grüne Perle an der Donau” bezeichnet. Zu Recht, wie ich finde. Denn hügelig grün ist es außen rum,  schöne Wäldchen und Parks frischen die gesamte Innenstadt mit ihren beeindruckenden historischen Bauten auf und die schöne Donau fließt mitten durch.

Budapest bei Nacht, Blick von der Burg

Budapest bei Nacht, Blick von der Burg

Von Budapest aus gibt es malerische 1 Tages-Schiffreisen auf der Donau nach Wien und Bratislava. Auch wir stimmen uns dieses Mal vom Wasser aus auf die Stadt ein. Am Roosevelt-Platz steigen wir in den schwimmenden Bus, eine in Europa einmalige Attraktion. 1,5 Stunden lang fahren wir mit dem Bus an Land an den schönsten Plätzchen des Stadtteils Pest vorbei, bevor sich der Bus in ein schwimmendes Boot verwandelt und an der Dráva utca in die Donau eintaucht und von dort, vorbei an den größten Sehenswürdigkeiten dieser Stadt, schippert.  Die zugegeben nicht gerade günstigen 27 € pro Person sind dieses Erlebnis wirklich wert, da eine sehr kundige Reiseleiterin 2 Stunden lang geduldig unsere Fragen beantwortet und spannende Budapester-Geschichten zu erzählen weiß.

Budapest - Blick über die Donau zur Burg

Budapest – Blick über die Donau zur Burg und aufs Burgviertel

Vom Wasser her auf die Stadt gut eingestimmt, erschlossen wir uns zu Fuß die Pester Innenstadt, mit ihren Prachtstraßen und Prachtbauten, eleganten Flaniermeilen, Parks und Kaffeehäusern. Architektonisch ist Budapest eine stimmungsvolle Zeitreise aus vielen verschiedenen Stilen, die hier nicht nur nebeneinander, sondern auch miteinander vereint in Gebäuden zu finden sind. Eine Zeitreise erlebe ich im altehrwürdigen Kelety Bahnhof. Beim Betreten des wunderschönen neoklassizistischen Bahnhofgebäudes glaubte ich, gleich fährt jetzt der Orient-Express ein, und wird dann von modernen Shops und klingelnden Handys wieder in die Gegenwart zurückgeholt.

Budapest, Mai Mano - Haus der ungarischen Fotografie

Budapest, Mai Mano – Haus der ungarischen Fotografie

Dieser eigenwillige Mix aus prachtvollen Jugendstilgebäuden, pompösem Barock, eigenwilligem Art deco, modernem Neoklassizismus, und baufälligen Gebäuden, geben der Stadt einen sehr gediegenen Charme. Anders als in der benachbarten Donaumetropole Wien, wo die Gebäude überwiegend aufgehübscht, sprich aufwändig restauriert sind, wirken sie hier echter, ursprünglicher. Auch gibt es hier keine offenen, malerischen Hinterhöfe zu erkunden wie in Zagreb, sondern viele der schönen Häuser sind verschlossen, nur von außen einsehbar und mit Klingeln und Code zu betreten. Dass es in der Stadt in der so große Komponisten wie Liszt, Bartok und Dohnany lebten, und wo die weltberühmte Franz Liszt-Musik-Universität beheimatet ist, kaum Straßenmusiker gibt, hat mich verwundert.

In der Nähe des gemütlichen Franz Liszt-Platzes, den die Budapester gerne auch den Broadway Budapests nennen, besuchten wir das Ungarische Fotografie Museum Mai Mano. Von außen ein neoklassizistischer Augenschmaus, von innen eine beeindruckende Zeitreise der weltberühmten ungarischen Fotografen bis in die Moderne.

Wer das dynamische, junge Budapest hautnah spüren will, kommt nicht umhin, ins Nachtleben einzutauchen. Dann erwacht Budapests legendäre Nachtszene. Dann werden die alten, baufälligen Kellerruinen mitten in der Stadt zu angesagten Partytreffs und auf den Straßen tummeln sich Fahrrad-Biertheken, rosa Mega-Stretch Limousinen oder knallgelbe Hammer-Kolosse. Gut, mit 68 und 55 Jahren zählen mein Mann und ich nicht mehr zur Generation Party-Tiger, dass wir an unserem letzten Abend eine Kellerruinen-Party besucht haben, und das junge, sehr normal und fröhlich ablaufende Nachtleben hier miterlebt haben, haben wir keine Sekunde bereut. Denn so haben wir das Lebensgefühl in Budapest aus dem Blickwinkel und Alltag von vier Studenten kennengelernt.

Ungarns Weine sind genau so beliebt und bekannt Ungarns Puszta, Gulyasch und seine Badekultur. Am letzten Abend vor unserer Heimreise erlebten wir ungarische Weinvielfalt in urbaner Frühsommer-Abendstimmung beim großen Weinfestival “A time for wine” . Beim großen Freiluftfest am Erzsébet tér, erlebten wir erneut, wie entspannt und genußvoll hier gefeiert wird.

Alte Budapester Geschichte in neuem Glanz – das Cafe New York, http://www.newyorkcafe.hu/ger/

Ein Budapest jenseits von Mainstream und üblicher Luxuslabel finde ich in den Bezirken V. und VII. Hier in Leopoldstadt und Elisabethstadt zeigen ungarische Designer und Kreative ungezwungen, mutig und überaus freundlich, eine echte Shopping-Alternative zu den üblichen Luxus- und Massenmarken.

Mit den Ungarn zu sprechen gestaltete sich anfangs nicht einfach. Die ungarische Sprache ist ein Thema für sich, schwer zu lesen und vermutlich noch viel schwerer zu verstehen. Englisch sprechen hier meist jüngere Menschen. Auch spüre ich bei meinen spontanen Interviews auf der Straße eine verhaltene Mitteilungsfreude. Bei einer Kaffeepause im Literaten-Café Central sprach ich mit meinem Mann darüber, als ein älterer Herr am Nebentisch uns ansprach. „Das sollten sie nicht persönlich nehmen. Viele Ungarn werden von der Regierung verunsichert und das macht manche eben etwas misstrauisch gegenüber allem was von außen kommt. Was lächerlich ist, denn heute kann sich ja jeder im Internet über die ganze Welt informieren und seine Meinung dazu bilden.“ Der ältere Mann am Nebentisch stellt sich mir in perfektem Deutsch vor. Gabor reiste früher als Ingenieur durch die Welt, lernte schon früh Englisch, Französisch und Deutsch. Heute genießt er seinen Ruhestand in Budapest, reist kaum noch, und wenn, dann nur noch zu seinen Kindern und Enkeln, die aber weit außerhalb Budapests leben. Im letzten Jahr haben sie ihm einen Computer gekauft und Skype geschenkt. Fast täglich kommt er in sein Kaffeeund regelmäßig trifft er sich mit Freunden zum Baden im Szecheny-Bad. Das machen hier viele Rentner so, erzählte er. Als seine Frau noch lebte, hat er mit ihr oft Kunstausstellungen und das Theater besucht. Achselzuckend meinte er zum Abschluss: „Unsere motivierte Jugend tut mir schon leid, denn die muss hier jeden Tag mit großen Herausforderungen und vielen Unsicherheiten leben. Trotzdem möchte ich nirgendwo anders alt werden als hier in Budapest.“.

Budapester Altstadthaus nahe Heldenplatz, herrlich authentisch

Altstadthaus nahe Heldenplatz, herrlich alt und echt

Am nächsten Morgen verließen wir Budapest mit einem sehr guten Gefühl. Denn wir haben eine wunderschöne, sehr authentische und dynamische Stadt kennen gelernt, in der wir uns vom ersten Willkommen an sehr wohl gefühlt haben. Und wir haben auch hier freundliche, aufgeschlossene Menschen getroffen, die uns für einen kurzen Moment an ihrem Leben teil haben ließen und uns für ihre Heimat begeisterten.

———————————————————————- Budapest, Hungary ——————————————————————-

We left Vienna and drove 254 kilometers to Budapest, the capital of Hungary. Hungary borders on Austria, Slovakia, Ukraine, Romania, Serbia, Croatia and Slovenia. Hungary has been an independent state since 1918 and a member of the EU since 2004. Ten million people live in the country measuring 93,000 square meters.

 

I had an unforgettable riding holiday 37 years ago. I sat on the back of a beautiful Arabian horse and rode through the Puszta, ate delicious Gulash in the evening at the camp fire and spent the night with hospitable farmers. Of course I was well prepared for the trip and had followed the newspaper reports closely. I know that I am travelling to a country that has gone through a remarkable structural change since joining the EU in 2004. It has threatened to go off course thanks to an unreliable government, creative taxation and restrictive media policies. Full of my wonderful memories and information gleaned from the media, which could be true or not, I arrive in Budapest.

(Picture 1, Budapest – water, splendid buildings and lots of green spaces – the Vajdahunyad Burg in the city woods)

The first pleasant surprise is our small 3.5 star hotel, Bo 18 Hotel Superior. I have seldom experienced such a warm, uncomplicated welcome. No troublesome forms to fill out, no credit card at the desk. “Please pay when you leave” said the nice young lady at reception. The second pleasant surprise is the room. Fresh, modern, spacious, with WLAN and a parking lot as a matter of course. It costs EUR 58 for a double room, right in the city centre.

 I started to explore right after a tasty breakfast the next day. 1.7 million people live in the Hungarian capital. It consists of 3 independent cities which were united in 1873. The flat, bigger neighborhood called Pest is located on the eastern side of the Danube. There you find colorful city life and parks. Hilly Buda and Obuda, which means furnace and old kiln, with pretty woods, residential areas and the famous castle district are located to the west.

Nowadays the city consists of 23 precincts and is called the “Green pearl on the Danube”. I totally agree! The surrounding hills are green, beautiful woods and parks freshen up the impressive historical buildings and the lovely Danube flows through the city.

(Picture 2: Budapest at night, view from the castle)

You can take a scenic one day boat trip on the Danube from Budapest to Vienna and Bratislava. We explored the city from the water. We got the river bus, a unique attraction in Europe, from the Roosevelt Square. We drove overland past the prettiest attractions in the city of Pest for an hour and a half, before the bus turned into a boat, hit the water at Drava utca and sailed past the wonderful city sights. Although it´s quite expensive at EUR 27 per person, it´s worth every penny. A very knowledgeable tour guide patiently answered our questions for 2 hours and told us exciting stories about Budapest.

 (Pict ure 3: Budapest – view from the Danube of the Castle and castle district)

After getting to know the city from the water, we explored the Pest inner city, the splendid streets and buildings, elegant promenades and coffee shops. Architecturally speaking, Budapest is an atmospheric time journey made up of different styles, which you find next to each other and also interconnected in buildings. I went back in time at the stately Kelety train station. As I went in to the beautiful neoclassical train station I felt that the Orient Express was about to roll in. Then I was called back to the present by the modern shops and the loud mobile phones.

(Picture 4: Budapest, Mai Mano – House of Hungarian photography)

This unconventional mixture of superb Art Deco buildings, ostentatious baroque, modern neoclassicism and derelict buildings lend the city a dignified charm. In contrast to the neighboring city of Vienna, where most of the buildings have been renovated and elaborately restored,  the buildings here appear to be more genuine and original. You won´t find open, pretty back yards like in Zagreb. Many of the beautiful houses here are closed, only accessible from the outside by doorbell and code. I was amazed that there are no street musicians in the city which was home to great composers such as Liszt, Bartok and Dohnany and the world famous Franz Liszt Music University.

We went to the Mai Mano Hungarian Photography Museum close to the cosy Franz Liszt Square which the people of Budapest call the Broadway of Budapest. Outside it´s a neoclassical feast for the eyes. Inside it´s an impressive time journey of the world famous Hungarian photography up to modern times.

If you want to get to know the young, dynamic City you must throw yourself into the night life. Budapest´s legendary night scene comes to life. The old, derelict basement ruins in the city centre turn into the place to be. The streets are lined with bicycle beer bars, pink mega stretch limousines and bright yellow giants. I admit that, at the ages of 55 and 68, my husband and I are no longer part of the party generation. That didn´t stop us from going to a basement ruin party on our last evening. We didn´t regret for one second that we experienced the young, very normal, merry night life. This way we got to know the attitude towards life and daily routine from the point of view of four students.

Hungarian wines are just as well known and liked as the Puszta, Gulash and its spa culture. On the last evening before our journey home we experienced a variety of wines and the early summer evening atmosphere at the “A time for wine” festival. We once again saw how relaxed and delightfully people here celebrate at the open air fest at Erzsebet ter.

(Picture 5: Old Budapest history in a new light – the New York Café, http://www.newyorkcafe.hu/ger/)

You can find a Budapest beyond the mainstream and the usual luxury labels in the V. and the VII neighborhoods. Hungarian designers and creative people are relaxed, courageous and very friendly and are a genuine alternative to the usual luxury and mass brands. Their shops are in the Leopoldstadt and Elisabethstadt.

At the beginning it was not easy to speak to Hungarians. The Hungarian language is difficult to read and probably much harder to understand. Young people here speak English. I also sensed their hesitancy to communicate during my spontaneous interviews on the street. During a coffee break in the literature café Central I spoke about this to my husband. An elderly gentleman at the table next to us addressed us. “Please don´t take it personally. Many Hungarians have been unsettled by the government and this causes them to be suspicious of whatever comes from outside. This is laughable, seeing that nowadays everybody can go into the internet and get information and form his own opinion.” The elderly gentleman at the next table introduced himself in perfect German. Gabor travelled around the world in his life as an engineer and learned to speak English, French and German. Today he enjoys his retirement in Budapest, hardly ever travels, only to his children and grandchildren who live far outside Budapest. Last year they bought him a computer and skype. He comes to the café almost every day and meets his friends regularly at the Szecheny spa. Many retired people do this, he told us. While his wife was still alive they often went to art exhibitions and the theater. Finally he shrugged his shoulders and said:”Our highly motivated young people are to be pitied. They struggle daily with big challenges and great uncertainty. Despite this, I would not like to grow old anywhere else than in Budapest.”

 (Picture 6: Old city house near the Heldenplatz, wonderfully old and authentic)

 We had a very good feeling the next day when we left Budapest. We experienced a beautiful, very authentic, dynamic city in which we felt well from the first moment. We met very friendly, open-minded people who shared their lives with us for a short time.

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